Riga ist das unterschätzte Juwel des Baltikums. Ich bin seit 2017 immer wieder hier, und die Stadt besticht durch ihre beeindruckende Architektur, eine reiche Geschichte und eine pulsierende Kultur. Hier kommt mein kompletter Insider-Guide für den ersten Besuch, inklusive der Orte, die ich mit jedem Gast abklappere.
Anreise nach Riga: die Optionen im Überblick
Flugzeug. Mehrere Airlines fliegen von deutschen Städten in unter zwei Stunden direkt nach Riga. Ich bevorzuge mittlerweile Lufthansa, mit AirBaltic gab es mehrfach erhebliche Verspätungen.
Auto. Wer Zeit und Lust auf ein Abenteuer hat, fährt über Polen ins Baltikum, eine landschaftlich reizvolle Route.
Fähre. Von deutschen Häfen wie Travemünde oder Rostock gibt es Fährverbindungen über die Ostsee. Entspannter geht Anreise kaum.
Unterkünfte: vom Hostel bis zum Design-Hotel
Hostels. Günstig und zentral: Naughty Squirrel und Cinnamon Sally Backpackers.
Apartments und Mittelklasse. Komfortabel ohne Luxuspreis: Stabu Sēta Residence und die Loft-Residence Lāčplēša.
Premium. Für die besondere Nacht: Park Inn by Radisson Residence oder das Grand Poet by Semarah.
Coliving. Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: In Riga betreibe ich mit einem Partner die Coliving Residences, 20 Zimmer in drei zentralen Apartments, im Sommer über Airbnb, von September bis Juni für internationale Studierende.
Mein Riga zu Fuß: die Runde, die ich mit jedem Gast laufe
Riga ist kompakt, das meiste lässt sich erlaufen. Diese Runde mache ich fast jedes Mal, und sie füllt gut einen ganzen Tag.
Zentralmarkt und die Markthallen
Mein Startpunkt ist fast immer der Zentralmarkt. In den alten Hallen lassen sich locker ein paar Stunden verbringen. Jede Halle hat ihr Thema, von Gemüse über Fleisch bis Fisch.
In der Fischhalle sitzt ein kleiner Fisch-Imbiss mit frischem Fisch und einer genialen Soljanka. Das beste Mittel gegen Kater, und ich bin eigentlich jedes Mal einmal dort 😉
Danach lohnt sich der Bummel über den Markt mit dem ganzen Krimskram drumherum. Es ist immer wieder spannend, was hier alles verkauft wird. Von dort geht es weiter zur nächsten Station.
Aussichtsplattform der Akademie der Wissenschaften
Ein paar Minuten weiter steht die Lettische Akademie der Wissenschaften. Das Gebäude allein ist schon der Hammer, ein wuchtiger Zuckerbäckerbau aus der Sowjetzeit. Für ein paar Euro geht es hinauf auf die meiner Meinung nach beste Aussichtsplattform der Stadt. Am besten an einem klaren Tag, bei dichten Wolken lohnt es sich weniger.
Altstadt und eine Free Tour, die sich lohnt
Als Nächstes geht es in die Altstadt. Durch die Gassen lässt man sich prima selbst treiben, dafür braucht es keine Führung. Was ich aber wärmstens empfehle, ist eine Tour von Free Riga Tours. Die habe ich schon zweimal gemacht, richtig gut.
Nur eben nicht die klassische Old-Town-Tour, die schafft man allein. Besser die Alternative Riga Free Tour oder die Soviet Riga Free Tour. Die Sowjet-Tour kenne ich selbst noch nicht, die würde ich sofort machen. Die Touren sind “kostenlos”, am Ende zahlt man, was sie einem wert waren.
Nebenbei unbedingt ansehen: den Rigaer Dom mit einer der größten Orgeln Europas, das prächtige Schwarzhäupterhaus, das Jugendstilviertel rund um die Alberta iela und die orthodoxe Geburtskathedrale.
Eckhaus, das ehemalige KGB-Gebäude
Im Volksmund heißt es einfach KGB-Museum. Das ist harte Kost. Hier hat der sowjetische Geheimdienst Menschen eingesperrt, verhört und gefoltert. Wer die Kellerzellen sehen will, muss sich vorher für eine Führung anmelden, und die Plätze sind schnell ausgebucht.
Ich gehe trotzdem mit fast jedem Gast dorthin, weil es zur Geschichte Lettlands gehört und zeigt, wie das sowjetische Besatzungsregime mit Andersdenkenden umgegangen ist. Man versteht danach vieles an diesem Land und an der Region besser.
Tagestrip an die Ostsee: Jūrmala
Wenn das Wetter mitspielt, unbedingt raus nach Jūrmala. Ich bin da eigentlich immer, sogar im Winter, nur bei Regen nicht.
Vom Hauptbahnhof fährt der Zug für rund anderthalb Euro dorthin, und allein die Fahrt ist schon ein kleines Erlebnis. Dann einfach am Strand entlanglaufen und zwischendurch einen Kaffee oder ein Bier trinken. Alle ein bis zwei Kilometer steht direkt am Strand eine Bar. Am besten so planen, dass gegen Abend noch Zeit für ein gutes Essen bleibt.
Am Ende des Strandspaziergangs kehre ich am liebsten in einem meiner Lieblingsrestaurants ein, dem armenischen Nojan Tapan. Überhaupt mag ich das an Riga und Umgebung total: Es gibt richtig viele armenische und georgische Restaurants, das kenne ich aus Deutschland so nicht. Da esse ich mich eigentlich einmal quer durch die Karte, den Wein inklusive. In der Stadt selbst ist das Armenia Restaurant eine gute Alternative.
Weitere Tagestrips
Sigulda. Die “Lettische Schweiz” mit Wäldern, Burgen und dem Gauja-Tal, toll für Aktive.
Cēsis. Mittelalterliches Städtchen mit eindrucksvoller Burgruine und charmanter Altstadt.
Essen und Trinken
Rigas Foodszene reicht vom gemütlichen Café bis zur feinen Küche. Das sind meine weiteren festen Anlaufstellen.
Lettisch, gut und günstig
LIDO Vērmanītis ist für mich Pflicht: ein lettisches Buffet, gut und günstig. LIDO ist eine Kette, trotzdem lohnt es sich. Noch günstiger und schnell satt wird man im Delicio. Da gehe ich hin, wenn ich beruflich länger in Riga bin und einfach gut, schnell und preiswert essen möchte.
Cafés
MiiT Coffee ist eines meiner Lieblingscafés, komplett vegetarisch und teilweise vegan. Und für alle mit einem Faible für Süßes: Kūkotava hat geniale Kuchen und süße Teilchen bis zum Umkippen.
Ausgehen in Riga
Riga hat eine erstaunlich lebendige Bar- und Ausgehszene, ein bisschen wie Berlin oder Leipzig vor ein paar Jahren. Es gibt viele Leerstände, die kurzerhand zur Bar werden: Tisch und Kühlschrank rein, fertig.
- KKC, Kaņepes Kultūras centrs. Eine geniale Party- und Event-Location. Unbedingt hingehen.
- Ala Pagrabs. Ein absoluter Kultladen, den es gefühlt schon immer gibt: Livemusik, Bier und günstiges Essen.
- Bar Six. Eine coole Cocktailbar mit Kniff: An einer Tür klingeln, dann wird man abgeholt.
- Čē. Eine recht neue Bar, genau so ein übernommener Leerstand.
- Tallinas kvartāls. Diese Ecke im nördlichen Centrs mag ich sehr. Auf dem Areal reihen sich Bars, Cafés und Clubs aneinander.
Lese-Tipp: Wer das Wochenende lieber kompakt durchplanen will, findet einen fertigen 3-Tage-Plan für Riga (auf Englisch) bei den Coliving Residences.
Fazit
Riga ist kompakt, günstig und überraschend vielseitig, genau das perfekte Ziel für ein langes Wochenende. Und wer mehr Zeit mitbringt, verbindet Riga zu einer größeren Runde: Vilnius, Tallinn und Helsinki liegen nah und lassen sich gut zu einer Rundreise anhängen.
Und wer eine Bleibe mitten in der Stadt sucht: Meine Coliving Residences liegen nur einen Spaziergang von den meisten dieser Orte entfernt.


