Ich bin eigentlich ein Barcelona-Fan. Aber Barcelona ist heute so überlaufen, dass der Charme leidet. Valencia hat mich überrascht: unaufgeregter, entspannter, und man kommt viel leichter mit Einheimischen ins Gespräch. Ich habe sogar vier Wochen hier gewohnt, mitten im Fischerviertel Cabanyal, und mit dem Gedanken gespielt, eine Wohnung zu kaufen. Dazu die Heimat der Paella, ein grünes Flussbett quer durch die Stadt und einer der schönsten Stadtstrände Europas. Hier kommt mein ganz persönlicher Guide, mit vielen Karten-Links zum direkt Speichern.
Anreise und Transport
Valencia hat einen eigenen Flughafen (VLC), rund 15 Minuten mit der Metro (Linien 3 und 5) ins Zentrum. Aus Deutschland gibt es Direktflüge unter anderem mit Ryanair, Vueling und Lufthansa, dazu viele günstige Umsteigeverbindungen. Prüfe die Verbindungen am besten aktuell.
In der Stadt kommst du komplett mit den Öffentlichen durch. Ein paar Dinge, die ich vorher gern gewusst hätte:
- Du brauchst eine aufladbare Karte, die du am Flughafen und in jedem Tabakladen (Estanco) bekommst. Aufladen kannst du sie direkt im Laden oder über die App EMT Valencia.
- Achtung, Zonen: Vom Flughafen in die Stadt sind es zwei Zonen, innerhalb der Stadt nur eine. Dafür brauchst du unterschiedliche Tickets. Am einfachsten: vom Flughafen mit dem Taxi ins Zentrum, danach in der Stadt mit Bus und Bahn.
- Aktuelle Fahrzeiten inklusive Fußweg bekommst du in der App EMT Valencia oder über Google Maps.
- Für Taxifahrten lohnt sich Uber. Die meisten Taxifahrer sprechen kein Englisch, über die App gibst du Start und Ziel ein und zahlst beim Einsteigen einen Fixpreis per Kreditkarte. Ich bin weltweit mit Uber gefahren, sehr zuverlässig, und man wird nicht abgezogen.
Gut zu wissen
Ein paar Dinge, die den Alltag in Valencia leichter machen:
- Siesta ist echt. Plane kein Shopping um die Mittagszeit, viele Läden und teils auch Cafés und Bars haben zu. Besser 10 bis 13 Uhr oder 17 bis 19 Uhr.
- Spät essen. Abendessen gibt es oft erst ab 19:30 oder 20 Uhr, die Spanier essen wirklich spät. In den meisten Restaurants solltest du reservieren.
- Markthallen. Halte in jedem Viertel die Augen (oder Google Maps) nach den Markthallen offen, es gibt fantastische. Mein Favorit ist der Mercat de Russafa, aber auch der Mercat Central, einer der größten Frischemärkte Europas, ist ein Traum.
- Kaffee. Ich trinke unterwegs immer den lokalen Kaffee, hier heißt er Cortado.
- Agua de Valencia. Kein spezielles Wasser, sondern ein Cocktail aus frisch gepresstem Orangensaft, Cava, Vodka und Gin. Am besten als Karaffe zum Aperitivo bestellen, zu zweit oder in der Gruppe. Lecker und gefährlich süffig.
- Wein. Mir war nicht klar, wie viel Wein es rund um Valencia gibt. Ich habe es geschafft, vier Wochen lang nur Wein aus der Region zu trinken. Nicht immer super, aber eine Erfahrung reicher. Mein Lieblingsweingut ist Sexto Elemento, rund eine Stunde westlich von Valencia. Ich hatte leider keine Zeit mehr für eine Besichtigung, vielleicht ja etwas für dich. In der Ecke gibt es weitere Weingüter, es lohnt sich vielleicht, eine Nacht dort zu verbringen.
Meine Lieblingsviertel
El Cabanyal
Das Cabanyal ist das Viertel direkt am Strand, früher ein Fischer- und Arbeiterviertel, lange arm und vernachlässigt. Heute entwickelt es sich an den ersten Ecken zum Szeneviertel. Ich habe hier im November vier Wochen gewohnt. Die Architektur ist einzigartig: viele wunderschöne, niedrige alte Häuschen, dazu viel Graffiti und großartige Ecken zum Fotografieren. Der Kontrast aus verbarrikadierten und frisch renovierten Häusern hat mir gut gefallen. Das Viertel wirkt an manchen Ecken etwas rau, ist es aber nicht, trau dich ruhig tief hinein. Rund um die Ecke Calle Pescadors und Calle del Pare Lluís Navarro findest du Häuser mit großflächigen Graffiti, ein tolles Fotomotiv.
Meine Gastro-Tipps im Cabanyal:
- La Llimera Cabanyal: sehr nett, etwas gehoben.
- Casa Montaña: traditionsreiche Tapas-Bar, hier war ich an meinem Geburtstag.
- Ca la Mar: gemütliches, kleines Restaurant mit super Küche, wirkt auf den ersten Blick gar nicht so.
- Doux-Amer Café: gemütliches Café für eine Pause, von Franzosen geführt, nicht typisch spanisch, aber schön.
Wenn du im Cabanyal bist, geh unbedingt weiter zum Strand, für mich einer der oder der schönste Stadtstrand Europas. Am schönsten früh morgens vor 9 Uhr: Jogger, Beachvolleyballer, Gassigänger, und am Samstag- und Sonntagmorgen das Partyvolk auf dem Heimweg. Gönn dir am Strand im Café Jijonenca eine Horchata (ein kühles Getränk aus Erdmandeln) mit Fartons (süßem Gebäck zum Eintunken), der Valencia-Klassiker für den Nachmittag. Danach kannst du auf der Kaimauer bis zur Spitze des Yachthafens laufen, unterwegs immer wieder ein Café für einen Zwischenstopp. Cabanyal, Strand und Hafen füllen locker einen ganzen Tag.
Russafa
Russafa (kastilisch Ruzafa) ist das junge, hippe Party- und Studentenviertel. Hier stöbern Valencianos, Studenten und Touristen in kleinen Läden, hängen in Cafés ab und sitzen bis in die Morgenstunden in den Bars. Unbedingt anschauen, auch mal Freitag- oder Samstagnacht.
Gastro-Tipps:
- Canalla Bistro by Ricard Camarena: unbedingt reservieren und das Tapas-Menü nehmen, das war sensationell.
- Ubik Cafè: kleines Studenten-Café, das zugleich ein Buchladen ist. Gut für einen Cortado und ein Stück Tarta.
- Los Picos Café: tolles Café im Herzen von Russafa, nur bei warmem Wetter zu empfehlen, weil man draußen sitzt. Wenn du mit etwas Hunger kommst, probier den Sandwich Cubano, der Hammer.
Altstadt (Ciutat Vella)
In der Altstadt kannst du dich tagelang durch die Gassen und Prachtalleen treiben lassen. Die schönsten Sehenswürdigkeiten liegen dicht beieinander: die Kathedrale mit dem Turm El Miguelete (oben lohnt der Aufstieg für den Rundumblick), die gotische Seidenbörse Lonja de la Seda (UNESCO-Welterbe) und die Plaza de la Virgen, abends mit Leben in den Bars. Für die Detailtipps lohnt sich ein guter Reiseführer.
Gastro-Tipps:
- Sagardi Valencia Centro: eine recht touristische baskische Tapas-Bar, ich gehe trotzdem jedes Mal hin.
- Colmado LaLola: ebenfalls eine Tapas-Bar, viel kleiner, persönlicher und gemütlicher. Auch ein Stammplatz von mir.
- LALOLA Restaurante: erst im Colmado einen Aperitivo, dann im dazugehörigen Restaurant essen.
- Café de las Horas: das verrückteste Café der Stadt.
Der Jardí del Túria
Mein Lieblingsort in Valencia. Nach einer Flutkatastrophe wurde der Fluss Turia umgeleitet und das alte Flussbett in einen neun Kilometer langen Park verwandelt, der sich als grünes Band mitten durch die Stadt zieht. Wunderschön angelegt und gepflegt, voller Familien, Jogger, Radfahrer und Spaziergänger. Leg dich unter einen Baum, lies auf einer Bank ein Buch oder schau einfach den Menschen zu. Unterwegs kommst du am Gulliver-Spielplatz vorbei, einer begehbaren Gulliver-Figur zum Klettern und Rutschen. Leih dir ein Stadtrad (Valenbisi) und fahr den Park einmal ab.
Am südlichen Ende steht der Palau de les Arts Reina Sofía, ein wunderschönes Konzerthaus. Ich war dort bei einem Klassikkonzert im großen Saal, unbeschreiblich. Wenn du mit etwas Zeit in Valencia bist, schau nach Karten.
Ciudad de las Artes y las Ciencias
Das moderne Wahrzeichen der Stadt, entworfen vom Valencianer Santiago Calatrava: eine Reihe futuristischer weißer Bauten in flachen blauen Wasserbecken, direkt am südlichen Ende des Turia-Parks. Allein das Herumlaufen und Fotografieren lohnt sich, besonders am Morgen oder zur blauen Stunde.
Und dann unbedingt überall reingehen, das ist eines der Top-Highlights von Valencia: das Oceanogràfic (eines der größten Aquarien Europas), das Wissenschaftsmuseum, das IMAX-Kino Hemisfèric und das CaixaForum València (Àgora). Tickets vorab buchen spart Zeit an der Kasse.
Paella und die Albufera
Ein wichtiger Hinweis vorweg: Valencia ist die Geburtsstadt der Paella, und die Einheimischen nehmen das ernst. Die echte Paella Valenciana enthält Huhn, Kaninchen, grüne Bohnen und die Bohnensorte Garrofó, kein wild gemischtes Meeresfrüchte-Allerlei. Und man isst sie mittags, nicht abends.
Am authentischsten schmeckt sie im Naturpark Albufera südlich der Stadt, einer großen Süßwasserlagune, umgeben von den Reisfeldern, aus denen der Reis kommt. Am schönsten ist eine kleine Bootsfahrt zum Sonnenuntergang, danach eine Paella im Dorf El Palmar. Ein perfekter halber Tag.
Wanderungen rund um Valencia
Ich bin in der Stadt sehr viel gelaufen. Ohne Bus und Taxi kommst du locker auf 10 bis 15 Kilometer am Tag. Wenn du darüber hinaus wandern möchtest, empfehle ich zwei Ecken im Umland, beides Flusswanderungen mit Wasserfällen, herrlich kühl an heißen Tagen (ich gehe unterwegs immer im Fluss baden):
- Cueva del Turche bei Buñol. Eine Wanderung entlang eines Flusses mit mehreren Wasserfällen. Ich bin rund 12 Kilometer mit 300 Höhenmetern gelaufen. Sobald du den ersten Wasserfall und den nahen Parkplatz hinter dir hast, triffst du fast keinen Menschen mehr. Diverse Touren findest du bei Komoot. Tipp: In Buñol steht auf einem Hügel eine alte, verlassene Zementfabrik, die abends großartig beleuchtet ist, ein echtes Fotoszenario.
- Salto de la Novia. Ebenfalls eine Wanderung in einem Canyon mit schönen Wasserfällen, deutlich kürzer als am Turche und gut zu variieren. Ein paar Touren gibt es hier.
Unterkunft und beste Reisezeit
Für ein Wochenende würde ich zentral wohnen, entweder in der Ciutat Vella (alles zu Fuß) oder in Russafa (mehr Szene, abends viel los). Wer länger bleibt und das echte Valencia-Gefühl sucht, ist im Cabanyal goldrichtig. Ein guter Startpunkt in der Altstadt ist das Hotel Marqués House.
Die beste Zeit ist Frühling und Frühsommer sowie der September, mild und sonnig ohne die Hitze des Hochsommers. Ein besonderes Erlebnis sind die Fallas Mitte März, das größte Fest der Stadt mit riesigen Figuren und Feuerwerk. Wunderbar, aber dann ist die Stadt voll und die Preise ziehen an.
Valencia ist sonnig, kulinarisch stark und angenehm unaufgeregt. Für einen Städtetrip mit Sonne, gutem Essen und ohne den ganz großen Massentourismus meine klare Empfehlung.


